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Limnodynastes terrareginae, Litoria latopalmata (Speare & Smith, 1992; Cullen et al.,1995), sondern es ist auch für Fische hochpathogen. So induziert der Erreger bei Glasbarschen (Lates calcarifer) eine 100%ige Mortalität innerhalb von 10 Tagen (Moody & Owens, 1994). Iridoviren vom Typ FV3 können folglich Tierklassenschranken überspringen. Die Erfüllung des Koch`schen Postulates für Iridovirus-Infektionen ist allerdings lediglich durch Reinfektion juveniler Amphibien gezeigt worden. Bei den infizierten Amphibien treten Lethargie, Bewegungsdysfunktion, Anämie, Petechien und Nekrosen in der Haut und in den inneren Organen auf. Vorwiegend ist das haematopoetische Organsystem betroffen. Bemerkenswert ist, daß ähnliche Krankheitsbilder bei Fischen mit systemischen Iridovirusinfektionen beschrieben worden sind (Ogawa et al., 1990; Ahne et al., 1997). Systemische Iridovirosen werden nur bei aquatischen, wechselwarmen Wirbeltieren beobachtet. In diesem Zusammenhang ist auffällig, daß der Rückgang der Amphibienpopulationen ausschließlich aquatische oder semi-aquatische, nicht aber terrestrische Arten, betrifft. Ein weiterer Befund, der Iridovirosen als Verursacher des globalen Amphibiensterben mutmaßen läßt, ist, daß von freilebenden Aga-Kröten (Bufo marinus) getestete Seren Ranavirus-Antikörper positiv sind. Es stellt sich die Frage, ob die in Australien eingeschleppten Kröten ein Reservoir für FV3 -ähnliche Iridoviren sein können und Iridovirusinfektionen anschließend dort andere Amphibien-Arten bedrohen können (Speare et al., 1991; Zupanovic et al., 1998).
Tab. 2: Systemische Iridovirosen ermittelt bei Amphibien
Chytridiomykosen bei Amphibien Pilzinfektionen sind im aquatischen Bereich keine Seltenheit. So findet man bei Amphibien häufig Chromoblastomykosen (Hormiscium dermatitidis), Mukormykosen (Mucor amphibiorum) oder Saprolegniosen (Saprolegnia parasitica, S. ferax). Seit Anfang der 90er Jahre tritt eine bis dato unbekannte Pilzinfektion bei Amphibien auf. Der Erreger Batrachochytrium dendrobatidis, der der Ordnung Chytridales angehört, verursacht Hautläsionen (Chytridiomykosen) bei Amphibien (Berger et al., 1998). Ein Novum ist, daß der Pilz, der bislang bei aquatischen Pflanzen, Algen und Wirbellosen vorkam, eine Virulenz für Amphibien erlangt hat. Unter den Wirbeltieren stellen die Amphibien die einzige Klasse dar, bei denen Chytridiomykosen mit tödlichem Ausgang nachgewiesen worden sind (Tab. 2). B. dendrobatidis ist durchwegs in aquatischen Biotopen verbreitet. Unzweifelhaft ist, daß B. dendrobatidis, der nunmehr als ein "Amphibienkiller" gilt, beim gegenwärtigen Amphibiensterben in den tropischen Regenwäldern Australiens und Zentralamerikas sowie in Gebieten Nordamerikas ein Rolle spielt. Für das plötzliche, virulente Auftreten des Pilzes in Amphibienpopulationen gibt es bisher keine schlüssige Erklärung. B. denrobatidis ist bereits bei 37 Amphibienarten aus 12 Familien nachgewiesen worden. Bei 28 Amphibienarten (13 Hylidae-, 13 Myobatrachidae-Arten, 1 Bufonidae- und 1 Ambystomatidae-Art) sind in Australien Chytridiomykosen diagnostiziert worden. Bei aquatischen Amphibienarten im tropischen Regenwald Australiens und Zentralamerikas trat der Pilz mit Massensterben assoziiert auf (Berger et. al., 1998; Nichols et al., 1998). Kürzlich ist über Massensterben infolge Chytridiomykosen bei Populationen von Acris crepitans, Rana yavapiensis, R. chiricahuensis und Bufo americanus in Nordamerika berichtet worden (Milus, 1998; Nichols et al., 1998; Pesier, 1999). Chytridiomykosen kamen bisher nur bei Amphibienpopulationen in höheren geographischen Lagen vor, was vermutlich mit der temperaturabhängigen Entwicklung des Pilzes zusammenhängt. B. dendrobatidis entwickelt sich bei Temperaturen um 23oC optimal, oberhalb 23oC sehr langsam, bei 29oC nicht mehr (Longcore et al., 1999). Der Pilz bevorzugt ein kühles Habitat im wäßrigen Milieu. Die infektionsfähigen Zoosporen besitzen Flagellen und werden mit dem Wasser verbreitet (deshalb ist B. dendrobatidis früher als Protozoon angesehen worden). Dem Pilz fehlt eine Filamentstruktur, der Vegetationskörper (Thallus) ist einzellig, bildet Aggregationsverbände und besitzt keine Hyphen. Jedes Segment eines Thallus entwickelt ein Sporangium als Bildungsstätte der Sporen. Die Zoosporen gelangen ins Wasser, und invadieren die Amphibienhaut. Auf keratinhaltigen Substrat entwickeln sich die Zoosporangien (Vermehrungsstadien). Das Zielorgan ist das keratinhaltige Stratum corneum der Haut junger und adulter Amphibien. Chytridiomykosen sind durch Hautverdickungen, Hautablösung, Ulzerationen und Hämorrhagien der Haut erkennbar. Die Parasitose unterbindet die Hautatmung und die Wasseraufnahme über die Haut der Amphibien. Chytridiomykosen können nur bei Amphibien mit keratinisierter Haut generalisiert auftreten. Die mit B. dendrobatidis assoziierte Mortalitätsraten von 90-100% finden sich bei Amphibien nach der Metamorphose. Amphibienlarven, die Keratin ausschließlich um die Mundpartien besitzen, zeigen dort nur lokale Pilzinfektionsherde. Mortalitäten aufgrund der Mykose werden bei Kaulquappen deshalb i.d.R. nicht beobachtet (Longcore et al., 1999; Pessier et al., 1999).
Tab. 3: Chytridiomykosen ermittelt bei Amphibien
Schlußfolgerungen Die Befunde sprechen dafür, daß systemische Iridovirusinfektionen sowie Chytridiomykosen neben den bekannten Ursachen, wie Umweltveränderungen, Habitatverschmutzungen, Ozonbelastungen, UV-B Strahlung ursächlich am globalen Amphibiensterben beteiligt sein können. Oft wirken mehrere Einflüsse zusammen, schwächen so vermutlich das Immunsystem der Tiere, die Krankheitserreger können leichter invadieren, um sich im Organismus anzusiedeln und auszubreiten. Sowohl die Iridoviren mit systemischen Infektionen bei aquatischen Wirbeltieren als auch die amphibienpathogenen Chytridiomyceten sind erst kürzlich publik geworden und man kann diese Krankheitserreger als „emerging pathogens" bezeichnen. Sie verursachen fatale Krankheiten bei Amphibien mit zunehmender Inzidenz und geographischer Verbreitung. In Australien ist eine deutliche Ost-Westausbreitung (100 km/Jahr) des Amphibienrückganges zu beobachten (Laurence et al., 1996), was für einen seuchenerregerbedingten Verlauf spricht. Aus den betroffenen Gebieten liegen keinerlei Hinweise auf nicht-infektiöse Umweltnoxen (z.B. Ozon, UV-B-Strahlung, Umweltverschmutzung etc.) vor, die als Auslöser für das Amphibiensterben geltend gemacht werden könnten (Laurence et al., 1996). Amphibien spielen in der Ökologie eine wichtige Rolle, beispielsweise als natürliche Feinde der blutsaugenden und krankheitserreger- übertragenden Insekten. Die Dezimierung der Amphibienbestände durch anthropogene Einflüsse (z. B. durch die forcierten Froschschenkelexporte) hat bereits eine Zunahme der Anophelesmückenpopulationen und somit auch ein drastisches Ansteigen der Malariafälle in Indien zur Folge. Diese Entwicklung wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit großer Sorge beobachtet. Eingriffe des Menschen in die Ökosysteme - sei es beabsichtigt (Umweltzerstörung) oder unbeabsichtigt (Verschleppung von Krankheitserregern) - ziehen meistens unabsehbare Folgen nach sich. Der Klärung der Ursachen des globalen Amphibienmassensterbens, das ein zentrales Problem des neuen Jahrtausends darstellt, muß mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Insbesondere sind die Iridovirosen und Chytridiomykosen als "emerging diseases" der Amphibien in die Ursachenforschung des Amphibienrückganges miteinzubeziehen. (Literaturverzeichnis bzw. Rückfragen via Email: oder Fax: 089/280-5175) Ahne W., Bremont M., Hedrick R.P., HYATT A.D., Whittington R.J., 1997: Special topic review: Iridovirus associated with epizootic haematopoietic necrosis (EHN) in aquaculture. World J. Microbiol. Biotech. 13, 367-373. Alford R. A.; Richards S. J., 1997: Lack of evidence for epidemic disease as an agent in the catastrophic decline of Australian rain forest frogs. Cons. Biol. 11, 1026-1029. Berger L., Speare R., Daszak P., Green D., Cunningham A., Goggin L., Slocombe R., Ragan M., Hyatt A., McDonald K., Hines H., Lips K., Marantelli G., Parkes H., 1998: Chytridiomycosis causes amphibian mortality associated with population declines in the rain forests of Australia and Central America. PNAS 95, 9031-9036. Berger L., Speare R., 1999: http://www.jcu.edu.au/school/PHTM/frogs/anzcarrt.htm Cullen B. R., Owens L., Whittington R. J., 1995: Experimental infection of Australian anurans (Limnodynastes terraereginae and Litoria latopalmata) with Bohle iridovirus. Diseases of Aquatic Organisms 23, 83-92. Cunningham A. A., Langton T. E. S., Bennett P. M., Drury S. E. N., Gough R. E., Kirkwood J. K., 1993: Unusual mortality associated with poxvirus-like particles in frogs (Rana temporaria). Veterinary Record 133, 141-142. Cunningham A. A., Langton T. E. S., Bennett, P. M., Lewin J. F., Drury S. E. N., Gough R. E., Macgregor S. K., 1996: Pathological and microbiological findings from incidents of unusual mortality of the common frog (Rana temporaria). Philosophical Transactions of the Royal Society of London. 1996; 351: 1539-1557.
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